Aktuelles

26.02.2012 - "Perlen aus Papier" - die ganz andere Ausstellung
Wenn eingefleischte Briefmarkensammler an Postwertzeichen-Ausstellungen denken, kommen ihnen "Rahmenwälder" und dergleichen mehr in den Sinn. Besucher solcher Wettbewerbs-Ausstellungen nach starren

Wenn eingefleischte Briefmarkensammler an Postwertzeichen-Ausstellungen denken, kommen ihnen "Rahmenwälder" und dergleichen mehr in den Sinn. Besucher solcher Wettbewerbs-Ausstellungen nach starren Reglements sind nicht selten an den Händen abzuzählen, denn während vor den Rahmen gähnende Leere herrscht, knubbeln sich die kauflustigen Philatelisten bei den Händler- und Postständen. Man könnte den Eindruck gewinnen, die einzigen an solchen Ausstellungen Interessierten seien die Aussteller selbst.

Dass es auch ganz anders geht, allerdings auch mit einer völlig abweichenden Zielsetzung, bewiesen zwei junge Studentinnen am 10.-12. Februar 2012 in der "Galerie 1900" in Düsseldorf. Im Rahmen des Abschlusses ihrer Studien für Design und Architektur präsentierten sie Kommilitonen und anderen Besuchern ihr Examenswerk: "Perlen aus Papier". Hier ging es nicht um Wettbewerb oder Goldmedaillen, hier stand das Objekt Briefmarke mit ausgesuchten, für Philatelisten fast schon banal klingenden Themen im Vordergrund und wurde jeweils in ein leicht verständliches visuell umgesetztes Ambiente eingekleidet.

Bereits am Eingang des kleinen wohl ehemaligen Ladenlokals hingen große Lupen an der Wand, mit denen man sich die "Kunst im kleinen Format" besser erschließen konnte. Die "Inflation" mit dazugehörigen Marken konnte man sich - demonstriert auf einer Treppe mit Ballons - ersteigen, eine Reis-Marke mit Natur-Reis erfühlen, Propagandamarken mit Hitlers Fratze auf der Rolle betasten und in vielen Schubladen gewünschtes Mehrwissen auf Karten nachlesen. Bedrückender wurde es in einem halb baufälligen kleinen Obergeschossraum, der Feldpost mit Fotos in alt wirkenden Lanzer-Koffern und letzte Grüße von der Front nahebrachte, so nahe, dass so mancher Student(in) berührt länger stehen blieb. Da waren Liebesgrüße auf Postkarten auf einem alten Klavier schon aufmunternder, ebenso eine kleine Sonderschau eines bekannten Düsseldorfer Avantgardisten, den das Thema Sex und Erotik offenbar mehr als anderes motviert hatte, dies mit der Briefmarke zu kombinieren. Kurz gesagt: Die Ausstellung war sehenswert und zeigte die Faszination Briefmarke einmal in völlig anderer Art!